Urlaub? Nicht bei uns!

Das hätten auch die Alligatoren übersehen. Ein →Artikel in der taz, der auf den ersten Blick nichts mit Krimis zu tun hat, sondern nur mit Feuilletons und der Musikzeitschrift SPEX (die wiederum viel mit Panzerechsen zu tun hat), aber im letzten Satz doch noch die Kurve in diesen Blog kriegt:

„Sonst könnte Poschardt andere Gewährsleute benennen, als immer wieder auf die drittklassige Krimiautorin Thea Dorn zurückgreifen zu müssen. „

Fragen Sie sich jetzt nicht, wer Poschardt ist.

Mehrwert der Geschichte. Ein unglaublicher Zufall.

Wem der Herrgott die Gnade der Rezensionsexemplare hat zuteilwerden lassen, der investiert sein gespartes Büchergeld bisweilen in Altpapier. Meine letzte Neuerwerbung – nein, nicht Holteis „Schwarzwaldau“, das man übrigens →hier und jetzt! immer noch vorbestellen kann – meine letzte Neuerwerbung also drudelte vor ein paar Tagen bei mir ein und ward sogleich gelesen. Sind ja nur 168 Seiten, ein schmales Duodez-Bändchen halt, eine „Criminal-Novelle“ aus dem Jahre 1871, und ich wußte nichts über ihren Inhalt. Tja. Und dann gingen mir die Augen über und über…

Weiterlesen

Schule der Rezensenten – Opitzstunde 2

rezensent1.GIF

Zweiter Leseversuch: Die ersten 55 Seiten noch mal gelesen, das Urteil bleibt gleich: Ich sehe wohl die Absicht, zweifele aber an ihrer Umsetzung. Nun, sei’s drum. Weiterlesen. Heute bis Seite 110.
Inhaltlich tut sich wenig, alles dreht sich irgendwie im Kreis. Der Mord an der Witwe Kuhnhardt wird weiterhin untersucht, die Aussage der Hauptzeugin Henriette Schmidt, sie sei zur Tatzeit dem Magister Klug im Treppenhaus begegnet, darf inzwischen bezweifelt werden, neue Zeugen treten auf, auch nicht gerade glaubwürdig.

Weiterlesen

Sylvia Maultash Warsh: Find me again

Sylvia Maltash Warshs Roman „Find me again“ ist ein zweifacher Rückgriff auf die Historie. In der Gegenwart (genauer 1979) in Toronto, Kanada ist da erst einmal eine Geschichte, die gespeist wird von einem komplexen Beziehungsgefüge, welches sich in Polen zur Zeit der Naziokkupation und „Befreiung“ durch die Sowjetunion zwischen jüdischen Polen und nicht-jüdischen Polen entwickelt hatte. Als eine der beteiligten Personen tot im Swimmingpool aufgefunden wird, stellt sich heraus, dass eine von dieser Person verfasste Geschichte in der Geschichte, die im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, der Schlüssel zur Lösung eines Verbrechens ist.

Weiterlesen

Schule der Rezensenten – Opitzstunde 1

rezensent1.GIF

Lesen ist ein Prozess, Rezensieren ein anderer. Widmen wir uns mal dem Lesen. Am Beispiel von Detlef Opitz, „Der Büchermörder“, einem Buch, das ich beim ersten Lektüreanlauf nach wenigen Seiten zur Seite gelegt habe, was – und das ist schön so – Proteste seitens der Blogleser provozierte. Warum mir das Buch nicht gefiel, fasse ich heute noch einmal etwas mehr en détail zusammen. Und dann, was mir beim zweiten Lektüreanlauf so alles in den Sinn kommt. Das ist noch keine Rezension. Das sind die Vorarbeiten, die man später meistens nicht mehr sieht.

Weiterlesen

Kontrapunkte

DLF, Fazit. 14.11.2005
In einem Beitrag über eine Tagung zur Musik in Ost und Westdeutschland behauptet Autor Volker Michael:

Vielleicht ist die deutsche Musikwelt bis heute stärker geteilt, als viele wahrhaben wollen. Aber zum Glück gibt es ja die neuen ostdeutschen Erfolgreichen in der Popmusik wie „Silbermond“ und „Tokio Hotel“ – diese jungen Leute profitieren eindeutig vom ehemals guten Musikbildungssystem in der DDR.

Als die DDR abgeschaltet wurde, waren die Jungs von Tokio Hotel gerade zwischen 1 und 3 Jahre alt. Ob es da nicht doch eher die Westproduzenten sind von denen die Band (oder noch eher die Plattenfirma) eindeutig profitiert?

Cave In: Perfect Pitch Black

Im Nachhinein betrachtet sind Cave In mit Ihrem Major-Debüt „Antenna“ alles andere als zufrieden. Außer der Erkenntnis, dass die Sprüche vom ‚bislang besten Album ohne Major-Ausverkauf‘ auch nur Phrasen waren, bleibt Verwunderung zurück. Auch wenn „Antenna“ deutlich runder und weicher klingt als der direkte Vorgänger „Jupiter“, ist das Album nach wie vor ein Manifest an emotionsgeladenem, kraftvollem Indie-Rock. Bevor das Quartett einen neuen ‚richtigen‘ Anlauf wagt, hat es mit „Perfect Pitch Black“ jetzt einen Zwischenschritt veröffentlicht, der zehn Songs versammelt, die seit dem Erscheinen von „Antenna“ aufgenommen wurden.

Weiterlesen

Tatort „Rache-Engel“

„Nee, das macht keinen Spaß mehr“, sagt Max Palu gegen Ende des Tatorts „Rache-Engel“. Dachte ich auch über die letzten gut 15 Palu-Tatorte, aber diesmal war’s richtig vergnüglich. Vielleicht lag’s auch an der Gewissheit, dass dies der letzte Saar-Tatort mit Jochen Senf sein würde, aber das Team hat auch ein löchriges Drehbuch (auch Jochen Senf) mit teils absurden Dialogen angemessen ernsthaft umgesetzt.

Lange Treppen, dunkle Villen,...

Düster sollte der Abschied werden und so gab es dunkle Gassen, lange Treppen, einsame Villen und Schlösser, viel Schatten, aufgerissene Augen, nervige Hintergrundmusik und schräge Kameraeinstellungen. Ständig versteckt sich jemand hinter einer Tür, einer Mauer oder einem Vorsprung und mit schöner Regelmäßigkeit darf Nikolai Kinski dramatisch auf die Szene stürmen.

Weiterlesen

RTL braucht uns

Nachtjournal, RTL, 12.11.2005

Bei den Privaten folgen auch die Nachrichten betriebswirtschaftlichen Zwängen. Nicht schön, aber man hat sich daran gewöhnt, dass auch die Nachrichten von Werbeblöcken zerteilt werden. Der Nachrichtenmann wird kurzzeitig zum Animateur und sagt vielleicht Sachen wie

„Gleich: warum Beckstein Stoiber einen eingewickelten Fisch vor die Haustür legt“

oder

Weiterlesen

Herr K. lässt fragen

Das ist so lästig wie eine dicke Fliege: Emails (bezeichnenderweise nur von Frauen), in denen enttäuscht und resolut nachgefragt wird, warum denn heute nicht „der nette Herr K. vom Finanzamt, der mit der Pensionsberechtigung“ hier den Krimi erklärt. Also, meine Damen: Herr K. und seine Oberfinanzdirektion Oberursel machen heute ihren vorgezogenen Weihnachtsausflug ins Bergische Land („geselliger Abschluss bei einer Schlachtplatte“).

Weiterlesen

Jan Costin Wagner: Schattentag

krimix.gif

(„KrimiX“ sind Krimis, die keine sind und doch welche sind. Gemixtes halt. Diese Tierchen sind übrigens der Regelfall in der Literatur, bloß wissen es die wenigsten. In dieser Reihe sollen also Bücher vorgestellt werden, die man als genretreuer Kritiker und Leser nicht „Krimi“ nennen würde, die aber unbedingt dazugehören. Übrigens ist der Leser durchaus zur Mitarbeit aufgefordert. Nutzt die Kommentarfunktion, um Geschöpfe zu benennen, von denen ihr auch nicht so genau sind, ob sie nun oder ob eher nicht. Wer selbst etwas Ausführlicheres zu einem solchen Titel schreiben möchte, schicke mir eine Mail.)

Weiterlesen

The Juliana Theory: Deadbeat Sweetheartbeat

The Juliana Theory haben endlich ihr viertes Studioalbum fertig und es „Deadbeat Sweetheartbeat“ getauft. Laut Bassist Chad Alan gehen die Songs wieder mehr in Richtung des zweiten Albums ‚Emotion Is Dead‘. Was so viel heißt wie: „Die neuen Stücke besitzen eine persönliche Note und kommen etwas düsterer daher als das letzte Album“, so zumindest Alan.

Weiterlesen