
Schule der Rezensenten – Opitzstunde 1
Lesen ist ein Prozess, Rezensieren ein anderer. Widmen wir uns mal dem Lesen. Am Beispiel von Detlef Opitz, „Der Büchermörder“, einem Buch, das ich beim ersten Lektüreanlauf nach wenigen Seiten zur Seite gelegt habe, was – und das ist schön so – Proteste seitens der Blogleser provozierte. Warum mir das Buch nicht gefiel, fasse ich heute noch einmal etwas mehr en détail zusammen. Und dann, was mir beim zweiten Lektüreanlauf so alles in den Sinn kommt. Das ist noch keine Rezension. Das sind die Vorarbeiten, die man später meistens nicht mehr sieht.
WeiterlesenKontrapunkte
DLF, Fazit. 14.11.2005
In einem Beitrag über eine Tagung zur Musik in Ost und Westdeutschland behauptet Autor Volker Michael:
Vielleicht ist die deutsche Musikwelt bis heute stärker geteilt, als viele wahrhaben wollen. Aber zum Glück gibt es ja die neuen ostdeutschen Erfolgreichen in der Popmusik wie „Silbermond“ und „Tokio Hotel“ – diese jungen Leute profitieren eindeutig vom ehemals guten Musikbildungssystem in der DDR.
Als die DDR abgeschaltet wurde, waren die Jungs von Tokio Hotel gerade zwischen 1 und 3 Jahre alt. Ob es da nicht doch eher die Westproduzenten sind von denen die Band (oder noch eher die Plattenfirma) eindeutig profitiert?
Cave In: Perfect Pitch Black
Im Nachhinein betrachtet sind Cave In mit Ihrem Major-Debüt „Antenna“ alles andere als zufrieden. Außer der Erkenntnis, dass die Sprüche vom ‚bislang besten Album ohne Major-Ausverkauf‘ auch nur Phrasen waren, bleibt Verwunderung zurück. Auch wenn „Antenna“ deutlich runder und weicher klingt als der direkte Vorgänger „Jupiter“, ist das Album nach wie vor ein Manifest an emotionsgeladenem, kraftvollem Indie-Rock. Bevor das Quartett einen neuen ‚richtigen‘ Anlauf wagt, hat es mit „Perfect Pitch Black“ jetzt einen Zwischenschritt veröffentlicht, der zehn Songs versammelt, die seit dem Erscheinen von „Antenna“ aufgenommen wurden.
WeiterlesenTatort „Rache-Engel“

„Nee, das macht keinen Spaß mehr“, sagt Max Palu gegen Ende des Tatorts „Rache-Engel“. Dachte ich auch über die letzten gut 15 Palu-Tatorte, aber diesmal war’s richtig vergnüglich. Vielleicht lag’s auch an der Gewissheit, dass dies der letzte Saar-Tatort mit Jochen Senf sein würde, aber das Team hat auch ein löchriges Drehbuch (auch Jochen Senf) mit teils absurden Dialogen angemessen ernsthaft umgesetzt.

Düster sollte der Abschied werden und so gab es dunkle Gassen, lange Treppen, einsame Villen und Schlösser, viel Schatten, aufgerissene Augen, nervige Hintergrundmusik und schräge Kameraeinstellungen. Ständig versteckt sich jemand hinter einer Tür, einer Mauer oder einem Vorsprung und mit schöner Regelmäßigkeit darf Nikolai Kinski dramatisch auf die Szene stürmen.
WeiterlesenMännliche Kameliendame
Willi Winkler porträtiert in der Süddeutschen → Neil Young zu dessen 60. und versteigt sich zur lustigen Behauptung:
WeiterlesenCountry macht die Edelsten dumm.
RTL braucht uns

Nachtjournal, RTL, 12.11.2005
Bei den Privaten folgen auch die Nachrichten betriebswirtschaftlichen Zwängen. Nicht schön, aber man hat sich daran gewöhnt, dass auch die Nachrichten von Werbeblöcken zerteilt werden. Der Nachrichtenmann wird kurzzeitig zum Animateur und sagt vielleicht Sachen wie
„Gleich: warum Beckstein Stoiber einen eingewickelten Fisch vor die Haustür legt“
oder
WeiterlesenHerr K. lässt fragen
Das ist so lästig wie eine dicke Fliege: Emails (bezeichnenderweise nur von Frauen), in denen enttäuscht und resolut nachgefragt wird, warum denn heute nicht „der nette Herr K. vom Finanzamt, der mit der Pensionsberechtigung“ hier den Krimi erklärt. Also, meine Damen: Herr K. und seine Oberfinanzdirektion Oberursel machen heute ihren vorgezogenen Weihnachtsausflug ins Bergische Land („geselliger Abschluss bei einer Schlachtplatte“).
Weiterlesenmy deconstructive Mankell weekend
Vom gestern entdeckten →Aufsatz des Herrn Dietz inspiriert, werde ich mich am Wochenende auf die Suche nach Aufsätzen über das Phänomen Mankell machen. Ma gucken, wer da alles was so alles. Thomas Wörtche hat auch, →hier nämlich, bei Kaliber 38, kostet wohl 3 € für 6 Monate, →das Procedere ist schnell erledigt, lohnt sich. Mal weitersuchen.
Jan Costin Wagner: Schattentag

(„KrimiX“ sind Krimis, die keine sind und doch welche sind. Gemixtes halt. Diese Tierchen sind übrigens der Regelfall in der Literatur, bloß wissen es die wenigsten. In dieser Reihe sollen also Bücher vorgestellt werden, die man als genretreuer Kritiker und Leser nicht „Krimi“ nennen würde, die aber unbedingt dazugehören. Übrigens ist der Leser durchaus zur Mitarbeit aufgefordert. Nutzt die Kommentarfunktion, um Geschöpfe zu benennen, von denen ihr auch nicht so genau sind, ob sie nun oder ob eher nicht. Wer selbst etwas Ausführlicheres zu einem solchen Titel schreiben möchte, schicke mir eine Mail.)
WeiterlesenFunny van Dannen: Authentic Trip
Den Plattentitel „Authentic Trip“ darf man ruhig ironisch verstehen, aber Funny van Dannen ist einfach am besten, wenn er auf der Bühne steht und klampft. Sein neues Album ist wieder in dieser Old-School-Variante aufgenommen und präsentiert 23 Songs, die an zwei Abenden im September 2005 in der Registratur in München mitgeschnitten wurden.
WeiterlesenThe Juliana Theory: Deadbeat Sweetheartbeat
The Juliana Theory haben endlich ihr viertes Studioalbum fertig und es „Deadbeat Sweetheartbeat“ getauft. Laut Bassist Chad Alan gehen die Songs wieder mehr in Richtung des zweiten Albums ‚Emotion Is Dead‘. Was so viel heißt wie: „Die neuen Stücke besitzen eine persönliche Note und kommen etwas düsterer daher als das letzte Album“, so zumindest Alan.
WeiterlesenMankell im Schlachthaus
Soeben entdeckt: Ein →Aufsatz von Hartmut Dietz, „Das große Schweine-Schlachten oder: Ein Versuch, den Erfolg des Henning Mankell zu verstehen“ (ein bisschen scrollen muss man; einen Aufsatz „Spielregeln des Kriminalromans: 2 Varianten“ gibt es auch auf der Seite).
Link vom Chef

„Sie stehn doch so auf Geschichte!“ Mit diesen wahren Worten betritt Chef Walter die Blog-Abteilung und wirft einen Zettel auf meinen Schreibtisch. „Dann bloggen Sie mal das hier! →The Black Mask Magazine – An American Classic!. Mit schönen Originalbeiträgen aus den 30er Jahren! Da haben Hammett und Chandler gelernt! So was brauchen wir in Deutschland auch! Geben Sie sich mal Mühe!“ Dreht sich um, zwinkert meiner neuen Praktikantin, Fräulein Willig, schelmisch zu und schwebt zurück in die höheren Sphären der leitenden Angestellten.
Buch: Block

Gute Nachricht: Der →NordPark Verlag, Marktführer in Sachen Krimi-Sekundärliteratur, bereitet die Veröffentlichung des von Axel Bußmer herausgegebenen Bandes „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ vor. Nr. 5 der Krimikritik-Reihe und lange erwartetes Vademecum über einen hierzulande immer noch etwas unterschätzten Klassiker. Details in Thomas Przybilkas neuem →„Krimi-Tipp zur Sekundärliteratur“, eine krimikritische Rezension folgt nach Erscheinen.
Aus zwei verschiedenen Menschen
Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ ist der erste wahre Psychokrimi der Literaturgeschichte. Und noch mehr. Wer diesen Roman mit Missfallen liest, weiß zuverlässig, dass in ihm, dem Leser, eine akute oder latente psychische Deformation mit aller Rücksichtslosigkeit wütet, „wie ein anderer Mensch“, sagte schon Freud. Deshalb geben wir der Subskriptionsausgabe, die man sich →hier und jetzt! reservieren kann, einen Gutschein für eine kostenlose psychiatrische Behandlung bei (bei 5000 € Selbstbeteiligung).

Pentti Kirstilä: Nachtschatten
Schon ein komisches Völkchen, die Finnen. Von Westen schwedenkrimit es inflationär, von Osten her rollt die Neue-Russen-Krimiflut. Das berührt die nicht. Hat noch nie. Backen ihre eigenen Spannungsbrötchen, und schmecken tun sie auch.
WeiterlesenKate Bush: Aerial
Eins, zwei Jahre Pause, vielleicht auch mal vier, so wie seinerzeit zwischen ‚Hounds Of Love‘ und ‚The Sensual World‘ oder zwischen letztgenanntem und ‚The Red Shoes‘, das war man als Kate Bush-Fan irgendwie gewöhnt. Doch ganze zwölf Jahre mit dem nächsten Studioalbum zu warten, das stellte selbst die Geduld der treuesten Fans auf eine harte Probe.
WeiterlesenBig Sweet Life: The Songs Of Jon Dee Graham
Von langer Hand geplant war dieses Tribute-Album nun wahrlich nicht, auch wenn es der knorrige und kautzige texanische Musiker – renommierter Solokünstler und Mitglied der Resentments – sehr wohl schon verdient.
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