Die Toten 1997

31.12.: Floyd Cramer
Als Pianist galt Floyd Cramer als einer der besten Sessionmusiker der Nashville-Szene. Er ist zu hören auf Aufnahmen von Leuten wie Patsy Cline, Roy Orbison, Brenda Lee oder den Everly Brothers.
Sein „Last date“ aus dem Jahr 1961 ist eines der meistverkauften Instrumentals aller Zeiten. Sein bekanntestes Werk ist aber sicher die Titelmusik zu Fernsehserie „Dallas“.
16.12.: Nicolette Larson
Die Sängerin starb mit 45 Jahren an einer „unusual accumulation of fluid in the brain“. Sie arbeitete als Backgroundsängerin für Emmylou Harris, Linda Ronstadt, Neil Young, Willie Nelson, die Beach Boys und die Doobie Brothers. Ihre erste LP (mit Neil Youngs „Lotta Love“) erschien 1978, fünf weitere Platten folgten. 1984 wurde sie von der Academy of Country Music zur Best New Vocalist gewählt.
30.11.: Kathy Acker
Die Schriftstellerin, die vor ein paar Jahren eine Platte mit den Mekons veröffentlicht hatte und mit der Band auch auf Tour gegangen war, starb in Tijuana (Mexico) an Krebs. Sie wurde 49 Jahre alt.
29.11.: Fenton Robinson
Der Bluesgitarrist und -sänger starb 62jährig an einem Gehirntumor. Bekannteste Titel: „Somebody Loan Me a Dime“ und „Tennessee Woman“.
22.11.: Michael Hutchence
Der 37jährige INXS-Sänger erhängte sich in der Nacht zum 22. November in einem Hotelzimmer mit einem Gürtel. Die Gründe sind bislang unklar.
??.11.: Epic Soundtracks
Am 22. November wurde Epic Soundtracks (Bürgerlich: Kevin Paul Godley) tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden.
Bereits im zarten Alter von 12 Jahren gründete er zusammen mit seinem Bruder Nikki Sudden die Band Swell Maps, wo er Schlagzeug und Keyboards spielte. 1978 erschienen die ersten Singles, später zwei LPs ‚In Jane From Occupied Europe‘ und ‚A Trip To Marineville‘. Nachdem sich die Swell Maps 1980 aufgelöst hatten spielte ES ein gutes Jahrzehnt lang in diversen Gruppen: Red Krayola, Nikki Sudden and the Jacobites, Crime & the City Solution und These Immortal Souls.
Seit 1992 arbeitete Soundtracks solo und hatte drei CDs veröffentlicht. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er bereits einige Titel für ein neues Album aufgenommen.
12.10.: Tommy Tedesco
Mit 67 starb der Studiogitarrist (der u.a. mit den Beach Boys und Jan & Dean gearbeitet hatte) an Lungenkrebs.
12.10.: John Denver
Der am 31. 12. 1943 in Roswell, New Mexico (X-Files-Fans kennen diesen Ort) als John Henry Deutschendorf geborene Sänger starb bei einem Flugzeugabsturz vor der kalifornischen Küste. Seine musikalische Karriere begann Anfang der 60er Jahre als er sich neben seinem Architekturstudium als Folksänger betätigte. 1964 wurde er Mitglied des Chad Mitchell Trios, dem er vier Jahre angehörte. Danach begann seine erfolgreiche Solokarriere. Peter, Paul & Mary hatten 1969 einen Nummer1-Hit in den USA mit seinem „Leaving on a jet plane“.
In den 70ern kamen dann (selbstgesungene) Hits wie „Annie’s Song,“ „Rocky Mountain High“, „Sunshine on My Shoulders“, „Take me home country roads“ und – passend zu seiner musikalischen Entwicklung in den 70ern – „Thank God I’m a Country Boy“. Sein „Greatest Hits“-Album verkaufte weltweit über 10 Millionen Mal. 20 seiner US-Alben wurden vergoldet. „The NME Book of Rock“ bescheinigte ihm „zuckersüße akustische Melodien und Texte, die neue Tiefen an Naivität erreichten.“ und stellte fest, daß „sein Mäusezahngrinsen und seine hausgemachten Banalitäten den US-Äther, die Fernsehbildschirme und die Charts“ während der 70er Jahre beherrschten .
In den 80ern ließen die Erfolge nach und Denver wandte sich mehr anderen Aktivitäten zu. Er war in der Umweltbewegung aktiv, trat 1987 zugunsten der Tschernobyl-Opfer in der Sowjetunion auf und war der erste US-Amerikaner, der in Vietnam nach dem Ende des Krieges auftrat. 1993 wurde ihm für sein humanitäres Eintreten der (festhalten) Albert Schweitzer Music Award verliehen.
7.10.: Jimmy Ferguson
Das Originalmitglied der Irish Rovers starb mit 56 während einer Tournee in Massachusetts.
18.9.: Jimmy Witherspoon
der Blues- und Jazzmusiker starb in seinem Haus in Los Angeles im Schlaf. Gleich seine erste Single „Ain’t Nobody’s Business“ (1947) war sein größter Erfolg (34 Wochen lang auf Platz 1 der R’n’B-Charts).
12.9.: Stig Anderson
Der schwedische Songschreiber, der früher eifrig mit Abba zusammen arbeitete (er war u.a. Co-Autor bei „Waterloo“ und „S.O.S.“) starb 66jährig an Herzversagen.
16.8.: Nusrat Fateh Ali Khan
Der pakistanische Sänger starb im Alter von 49 Jahren an Herzversagen. Der Qawwali-Sänger hatte auch außerhalb seiner Heimat Beachtung gefunden, hauptsächlich durch die Zusammenarbeit mit westlichen Musikern. So nahm er unter anderem zwei Songs („The Long Road“ und „The Face of Love“) mit Eddie Vedder für den Soundtrack von „Dead Man Walking“ auf und „Taboo“ mit Peter Gabriel für den Soundtrack zum Oliver Stone-Film „Natural Born Killers“.
12.8.: Luther Allison
Der Bluesmusiker (geb. 17. August 1937 in Widener, Arkansas) starb an Lungenkrebs.
2.8.: William Seward Burroughs
Der Autor, Waffennarr, Schauspieler und Selbstdarsteller starb 83jährig in Kansas.
–>Nachruf
2.8.: Fela Kuti
Der nigerianische Musiker starb in seiner Heimat im Alter von 58 Jahren. Gerüchte besagen, er sei an Typhus erkrankt und habe sich aus religiösen Gründen einer medizinischen Behandlung verweigert.
21.6.: Arthur Prysock
Der R’n’B-Sänger starb mit 74 Jahren.
20.6.: Lawrence Payton
Das ehemalige Mitglied der Four Tops starb mit 59 an Leberkrebs.
4.6.: Ronnie Lane
Der Bassist starb nach einem 20jährigen Kampf gegen seine MS-Krankheit in Trinidad, Colorado.
29.5.: Jeff Buckley
Der Sohn von Tim Buckley ertrank wahrscheinlich in der Nacht des 29.Mai im Mississippi. Die Leiche des 30jährigen wurde erst eine knappe Woche später gefunden. Buckley arbeitete in Memphis an seinem neuen Album.
23.5.: Tim Taylor
Der 28jährige Brainiac-Sänger kam bei einem Autounfall in Dayton/Ohio ums Leben.
9.5.: Glen Taylor
Das Gründungsmitglied der Dicks starb in Austin an Leber- und Nierenversagen (eine Folge jahrelangen Alkoholmißbrauchs), gerade einen Monat nachdem Alternative Tentacles mit der CD „Dicks 1980-1986“ eine Würdigung seiner ehemaligen Band veröffentlicht hatte. Taylor hatte die Band 1983 verlassen, als die übrigen Mitglieder, darunter Sänger Gary Floyd (später Sister Double Happiness und Gary Floyd Band) von Austin nach San Francisco umzogen.
8.4.: Mae Boren Axton
Die Mutter von Hoyt Axton und Co-Autorin von „Heartbreak Hotel“ starb im Alter von 82 Jahren in Hendersonville, Tennessee
8.4.: Laura Nyro
Die Singer/Songwriterin, die in den 60er und 70er Jahren für andere Hits wie „Stoned Soul Picnic,“ (Fifth Dimension), „Stoney End“ (Barbara Streisand) oder „Eli’s Coming“ (Three Dog Night) geschrieben hatte und als großer Einfluß auf Kolleginnen wie Rickie Lee Jones und Suzanne Vega galt, starb im Alter von 49 Jahren an Krebs.
24.3.: Harold Melvin
Der Sänger von Harold Melvin and the Blue Notes („If You Don’t Know Me By Now“) starb in Philadelphia an den Folgen mehrerer Schlaganfälle.
10.3.: LaVern Baker
Tod durch Diabetes mit 67.
9.3.: The Notorious B.I.G. aka Biggie Smalls aka Christopher Wallace
Der 1972 geborene Rapper wurde auf einem Parkplatz erschossen. Verdächtigungen gibt es bislang viele, einen Verdächtigen – laut Polizei – nicht.
10.2.: Brian Connolly
Der Sänger, der in den 70er Jahren mit The Sweet Hits wie „Ballroom Blitz,“ „Little Willy,“ „Blockbuster“ und „Teenage Rampage“ hatte, starb in einem Londoner Krankenhaus, in das er zwei Wochen zuvor wegen eines Herzanfalls eingeliefert worden war.
23.1.: Richard Berry
Der 61jährige Songschreiber starb in seinem Haus in Los Angeles In seinem Leben hatte er über 100 Songs geschrieben, berühmt gemacht hat ihn ein einziger Songs, den er angeblich auf einige Blätter Toilettenpapier geschrieben haben soll: „Louie Louie“. Die Kingsmen waren die erste Band, die das Stück aufnahmen, es folgten bis heute mehr als 1200 weitere Aufnahmen des Titels. Die Rechte an dem Stück hatte Berry für die sprichwörtlichen Appel+Ei verkauft.

22.1.: Billy MacKenzie

Am 27.3. 1957 in Dundee als William MacKenzie geborener Sänger der Associates, die zu Beginn der 80er ihre größte Zeit (mit Songs wie „Tell Me Easter´s On Friday“, „Kitchen Person“ oder „White Car in Germany“) hatten.
21.1.: „Colonel“ Tom Parker
Elvis Presleys Manager starb 87jährig in Las Vegas. Bevor er den King managte (von 1955 bis zu dessen Tod 1977) hatte er sich mit Shows wie Colonel Tom Parker and His Dancing Chickens über Wasser gehalten. Danach schrieb er quasi im Alleingang das erste große Rockmanagement-Kapitel der Musikgeschichte. Und wurde mit 25-50% der Einnahmen von Presley alles andere als schlecht bezahlt.
10.1.: Kenny Pickett
Der Sänger der CREATION (Making Time, Painter Man) und kurzzeitige Roadmanager von Led Zeppelin starb im Alter von 49 Jahren an einem Herzanfall.
2.1.: Randy California
Der Kopf von SPIRIT kam bei einem Badeunfall vor der Küste von Hawaii ums Leben.
–>Nachruf
1.1.: Townes van Zandt
Der von Kritikern und Kollegen hochgeschätzte texanische Singer/Songwriter starb im Alter von 52 Jahren an Herzversagen.
–>Nachruf

Martin Schrüfers Inselplatten

Zehn Platten für einsame Inseln – Mehr noch als das Goodbye für unsere Gesellschaft würde mich schmerzen, Dutzende andere Scheiben zurücklassen zu müssen. Trotzdem wäre ich optimistisch! Die zehn LPs, die auf der nachfolgenden Liste zu finden sind, repräsentieren Eigenständigkeit, Witz, begnadetes Können und so unterschiedliche Musikrichtungen wie möglich – Jede steht für einen Teil meiner Seele, die mit den entsprechenden Klängen unterlegt, tanzt und sich ausbreitet in der Leere.

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Thomas Marx‘ Inselplatten

Seit Wochen finden nachts in meiner Plattensammlung Kämpfe statt. Und ich höre die Vinylen „Nein. Ich bin besser!“ und die Silberlinger „Hau ab, Naßabgespielter!“ geifern. Ganz klar: Mobbing unter den Tonträgern, um in die Insel Top Ten zu kommen. Das hat ziemlich genervt. Den Vinylen kann man ja noch drohen, wie zum Beispiel: „Ruhe, oder ich kauf‘ dich auf CD!“. Aber die Silberlinger sind sich natürlich ihrer Vormachtstellung bewußt und ich wollte sie auch nicht bevorzugen, weil mich die Vinylen schon ein Leben lang begleiten und irgendwie mehr Charakter haben.
Also, hier sei offen gesagt: Ich liebe Euch alle!

Ach so, äh, also … ich bitte Pop Warner um Nachsicht bei meiner Insel Top Ten.

  1. Elvis Presley: From Elvis In Memphis
    Die LP „From Elvis In Memphis“ (1969) bildet zusammen mit den beiden LP´s „The ’68 Comeback Special“ (1968) und „In Person/Back In Memphis“ (1970) meiner Meinung nach den Höhepunkt in der Karriere Elvis Presleys.
    Nach endlosen Verträgen mit Filmstudios (und den größtenteils beschissenen Soundtrackalben) und 8 Jahren Bühnenabstinenz meldete sich Mr. Presley im Mai 1969 mit dieser furiosen LP im Musikbusiness zurück.
    Sicherlich sind die Aufnahmen Presleys zu Beginn seiner Karriere in den Sun-Studios und während der frühen RCA Zeit unerreicht, aber die Aufnahmesessions in den American Sound Studios im Januar und Februar 1969 waren, im Gegensatz zu den Anfangserfolgen, die aus einem „inneren Trieb“ heraus „passierten“, so gewollt und bewußt „Anti-Mainstream“ produziert. Die Hitsingle war „In The Ghetto“ und bildete eher eine Ausnahme auf der ansonsten Rhythm’n’Blues orientierten Scheibe.
    Natürlich war die „Are You Lonesome Tonight“-Fraktion der Elvis-Fan-Liga nicht so begeistert vom plötzlichen „Back To The Roots“-Gedanken Presleys. Elvis jedoch nutzte die Chance, die ihm der Erfolg mit dem „’68 Special“ bot, setzte sich gegen seinen allmächtigen Manager durch und nahm die Platte seines Lebens auf.
  2. Pink Floyd: The Wall
    „Goodbye cruel world, I’m leavin‘ you today, goodbye, goodbye, goodbye.“
    Der Soundtrack zur Pubertät. Die Platte verfolgt mich bis zum heutigen Tag und ich komme einfach nicht von ihr los. Das heißt, entweder dauert meine Pubertät noch an oder irgendwie ist doch mehr an „The Wall“ dran, als man beim erste Hören feststellt. Immer noch will ich Pink helfen, immer noch ziehen mich die Texte magisch an und immer noch berührt mich der Schrei des Babys nach „In the flesh?“!
    „The Wall“ war die erste Platte (natürlich abgesehen von meinen Elvis-Platten!), deren Text ich von vorne bis hinten auswendig mitsingen konnte.
    Was soll ich sagen? Ein Werk für die Ewigkeit.
    „Is there anybody out there?“
    PS: Hier sei noch angemerkt, daß ich ein großer Verfechter der „A Momentary Lapse Of Reason“ LP bin!
  3. U2: Achtung Baby
    Die perfekte Verschmelzung von „Rock“ und „Elektronischer Musik“. Bono’s Vox und The Edge’s Gitarre sind das Liebespaar der Neunziger. Das Album war für die Band ein gewagter Schritt aber auch der Grundstein für die Experimente auf den Nachfolgeplatten „Zooropa“ und „Passengers“. Bono’s Texte sind sowieso der Maßstab, den man heute anlegen muß, wenn man Texte in der Pop/Rockmusik beurteilen will, melodisch wie auch inhaltlich.
    Ich gehe davon aus, daß einem Songs wie „Love Is Blindness“ oder „Who’s Gonna Ride Your Wild Horses“ noch im ausgehenden 21. Jahrhundert die Nackenhaare zu Berge stehen lassen.
  4. Alice Cooper: Killer
    Mit diesem Album hat Mr. Furnier bewiesen, daß er immer für einen Spaß zu haben ist. Das extravagante Aufklapp-Cover mit dem erhängten Alice über einem Jahres-Kalender von 1971, die Songs, die Live-Show der Band und natürlich die fiktive Person „Alice Cooper“ bildeten eine Einheit, die man vorher wohl in dieser Art und Weise noch nicht gekannt hat.
    Zum Ausklang der Hippie-Zeit gibt Alice seine Songs „Dead Babies“ und „Killer“ zum besten. Neben der ultimativen 70er-Rockhymne „Under My Wheels“ und dem unvergänglichen „Be My Lover“ findet man auch den Song „Desperado“ (ein Tribute-Song für Alices Saufkumpan Jim Morrisson, der im Juli des selben Jahres (1971) im fernen Paris in einer Badewanne seinem Leben „The End“ gesetzt hat) auf dem Album.
  5. Glompus Van De Hloedt: Tales From The Crypt
    Die Geschichte von den Zombies, die eine Gewerkschaft gründen obwohl sie ja bekanntlicherweise kein Gehirn haben, das aber dadurch wettmachen, indem sie die Mumien überreden mitzumachen, ist noch das normalste, was bei dieser Sprech-LP (Hörspiel) geschieht. Da wird einem jungen Mann bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen, weil man ihn mit einer Artischocke verwechselt, eine Frau wird in ihrem Badezimmer von einem Zug überrollt und das alles nur, weil der belgische Professor des Paranormalen Glompus Van De Hloedt seine Laufbahn als Geistersucher aufgegeben hat und Taxifahrer wurde. Wird der „Bishop Of Darkness“ diesmal gewinnen? Wird Van De Hloedt seine Taxifirma aufgeben? Wird seine Assistentin Sandy Cheeseburger jemals wieder das Licht der Sonne sehen? Der Soundtrack und die Backgroundmusik stammen übrigens von den brillanten Stargazers!
  6. The Sisters Of Mercy: Floodland
    Leider Gottes das Hitalbum der Sisters, was natürlich zur Folge hat, daß der beliebte Satz: „Zu kommerziell, die waren früher besser“ oft zu hören ist und gerne herausposaunt wird. Fakt ist, daß die Sisters früher größtenteils langweiliger waren, mal abgesehen von „Temple Of Love“ (Maxi-Single B-Seite übrigens „Gimme Shelter“ von den Rolling Stones, sehr zu empfehlen!) und begrenzt der „First And Last And Always“ LP.
    Auf „Floodland“ hat Eldritch Höhepunkt an Höhepunkt gereiht. Unverschämt genial interpretiert ist „1959“. „Torch“ und „Colors“ (nur auf der CD als Bonustracks) sind unübertroffen düster. Ganz abzusehen von den Hitsingles „This Corrosion“, „Dominion“ und „Lucretia My Reflection“.
  7. Sinéad O’Connor: Universal Mother
    Intimate. Eins der persönlichsten und ergreifendsten Alben überhaupt. Very special.
    Beim Hören der Platte hat man Angst, man könnte Sinéad stören. Ein Werk voller Liebe und ängstlicher Erwartung, voller Zerbrechlichkeit und voller unvergeßlicher Momente. Nachdem ich die Platte gekauft hatte, habe ich mich Zuhause hingesetzt, den Kopfhörer angezogen und die ganze LP ohne Unterbrechung durchgehört. Keinesfalls eine einfache Aufnahme, die man nebenbei anhören kann. Zu den einprägsamsten Augenblicken meiner Erfahrungen mit Musik gehört sicherlich das Konzert von Sinéad O’Connor im Sommer 1997 in Mainz. Absolut nicht von dieser Welt. Ohne Sinéad, keine Insel!
  8. Morrissey: Viva Hate
    Dieses Album beinhaltet den Gitarren-Popsong schlechthin: „Suedehead“. Besser geht’s nimmer. Ja, ich weiß: „Morrissey war nur bei den Schmitts gut“ und „Johnny Marr ist sowieso der bessere“ usw.. Alles Fuppes! „Everyday Is Like Sunday“: Ultracool, wie man heutzutage zu sagen pflegt. „Margaret On The Guillotine“: Sehr gewagt und doch irgendwie sehr spaßig. Kann sich irgend jemand vorstellen, daß Herbert Grönemeyer ein Lied mit dem Titel „Helmut auf dem Schafott“ aufnimmt?
    Von diesem Sound und der Produktion zehren heute noch Gallagher und Co. Das war noch Brit-Pop!
    Ach, übrigens: Hat jemand eine Ahnung was der Titel „Alsatian Cousin“ bedeutet? Cousin aus dem Elsaß?
  9. Helge Schneider: Es gibt Reis, Baby
    Ohne dieses Meisterwerk geht’s natürlich auch nicht. „Schüttel Dein Haar für mich!“
  10. Depeche Mode: Music For The Masses
    Meine erste Depeche Mode CD für den damals unglaublichen Preis von 39,95 DM und mein erstes Live Konzert (inklusive anschließender Behandlung wegen eines Hörsturzes).
    „Musik für die Massen“, Lautsprecher als immer wiederkehrende Symbole, schwarzweißrote Flaggen auf der Live-Bühne, einen Song namens „Pimpf“ und eine CD im Monumentalsound, das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse. Als BRAVO und PopRocky damals die Tour zu dieser LP wegen nationalsozialistischer Tendenzen als bedenklich einstuften, brachte das natürlich ein großes „Hallo“ im deutschen Blätterwald und einen Promotionschub unüberschaubaren Ausmaßes.
    Musikalisch stark weiterentwickelt gegenüber der „Black Celebration“ und das erste Depeche Mode Album mit Gitarre, die an Martin L. Gore zugegebenermaßen echt albern aussieht. Textlich ein eher stärkeres Werk von Depeche Mode, weil die Heulsusenphase von Mr. Gore damals wohl noch nicht so sehr ausgeprägt war. Glücklicherweise mußte die neue LP „ULTRA“ auch nicht so sehr darunter leiden.

Was ich noch erwähnen wollte: Um den 10. Platz stritten sich unter anderem: Peter Gabriel mit „US“, Willy De Ville mit „Live At The Olympia“, Dieter Thomas Kuhn mit „Mein Leben für die Musik“, Bryan Ferry „These Foolish Things“ und der Soundtrack „Flash Fearless Vs. The Zorg Women, Parts 5 & 6“, aber es sind eben nur Top Ten und nicht Top Fourteen oder Top Sixteen oder Top …

Walt Disney Weihnachtsalbum

Weihnachten ist überall

Fällt der Begriff Weihnachten, denkt man automatisch an Tannenbaum und Trallala, an das gute Essen, Karpfen womöglich. An Enten denkt jedoch kaum jemand. Dabei geht es Ihnen in der Weihnachtszeit nicht viel anders als uns Zweibeinern. Wer’s nicht glauben will, kann’s nachlesen.

Carl Barks, Pat Block und drei weitere Kollegen haben in liebevoll gezeichneten Bildchen die Erlebnisse von Donald Duck und seinen Neffen festgehalten. Und wenn man so ergreifende Szenen sieht wie die, in der Donald voller Inbrunst „Stille Nacht“ intoniert, wird einem richtig warm ums Herz.

Walt Disney
WEIHNACHTSALBUM
ehapa 18,- DM
ISBN 3-77040313-4

Carsten Franks Inselplatten

Zehn Platten für den Edelstahlzylinder bei ALCOR

Eigentlich geht es hier um Platten für die Ewigkeit. Die Erde ist so klein, früher oder später wird man auch auf der abgelegensten Insel gefunden. Musik für die Zeit bis dahin sollte in mißlicher Lage von dieser ablenken. Interessanter ist da doch der Gedanke, Scheiben mit in die Zukunft zu nehmen. Zeitmaschinen gibt es, zumindest nach der offiziellen Version des CIA, noch nicht.

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Harald Martins Inselplatten

The Beatles: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)
Die brillanteste, bedeutendste, schlicht beste Popband aller – auch künftigen – Zeiten mit der brillantesten etc.. Nie waren Glaube, Liebe, Hoffnung ganz ohne christlichen Firlefanz größer. Und diese Töne, meine Brüder und Schwestern, diese Töne…
Erstes Gebot auf einer einsamen Insel: Hoffe!

The Beatles: The Beatles (1968)
In den eklektizistischen 90ern ist es Mode geworden, gerade dieses Beatles-Album besonders toll zu finden. Es ist eben so: Da ist alles prima drauf, was abendländische Musik positiv ausmacht.
Zweites Gebot…: Denk an die schönsten Momente der Vergangenheit!

The Who: Who’s Next (1971)
Wie kann man nur so aggressiv sein? Hör nach beim besten Drummer, dem gradlinigsten Sänger, dem coolsten Bassisten und dem punkigsten Präpunk-Gitarristen der Historie. Abrechnung mit den 60ern, wo’s berechtigt ist. Aufbruch in die 70er, wie’s sein muß.
Drittes Gebot…: Sei wütend!

Pink Floyd: Dark Side Of The Moon (1973)
Es gibt ja den unheilvollen Kollektiv-Drang, all das zu tun, was man zu tun vermag (Atombomben basteln, Velvet Underground hören, etc.). Mitunter, selten, geschieht das mit Geschmack – dann ist es gut, wahr und schön.
Viertes Gebot…: Glaub an das Gute in der Natur!

The Sweet: Singles 1971-1977
Sigmund Freud sagt, um gesund zu bleiben, müsse man lernen zu seinen Abgründen zu stehen. Also bitte. Wir Wahrhaftigen erinnern uns: Teenage Rampage.
Fünftes Gebot…: Sei ehrlich zu Dir selbst!

Godley & Creme: Ismism (1981)
Hörkunst, die Zweite (vgl. #4). Hier geht es allerdings nicht um ein Spiel, das vorgibt, ernst zu sein, sondern um ein Spiel, das vorgibt, ein Spiel zu sein. Ein adäquates Resultat für die 80er – das postmoderne Jahrzehnt.
Sechstes Gebot…: Trau keinem, der Dir Wahrheiten verkaufen will!

Talking Heads: Stop Making Sense (1984)
Die intellektuellste Live-Platte aller Zeiten. Ergo was für Herz und Hirn. Dazu gab’s einen Film, der einem nicht mehr aus dem Schädel geht. Beste Bedingungen also.
Siebtes Gebot…: Hab Sonne im Herzen und Kino im Kopf!

The Smiths: Strangeways, Here We Come (1987)
Die beiden Haupt-Heroen der besten Band der 80er – das exzentrische Großmaul Morrissey und der geniale Schweiger Johnny Marr – sind ’86/’87 auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität und gleichzeitig am Ende ihrer Gemeinsamkeiten. Morrissey ist sowieso immer am besten, wenn der Ärger am größten ist.
Achtes Gebot…: Setz den Frust in Schaffenskraft um!

Cleaners From Venus: Going To England (1987)
Eine der wenigen Scheiben, die hält, was sie verspricht: The next thirty eight minutes you will be in England. Eigentümlicherweise kommt seit 1963 fast alles musikalisch Gute aus dem ehedem als völlig unmusikalisch verschrienen Inselreich, das sich nur dank Importware über die tonalen Jahrhunderte retten konnte (Händel!).
Neuntes Gebot…: Denk an England in der Nacht!

Kula Shaker: K (1996)
Jefferson Airplane, Cream, Jimi Hendrix, Deep Purple, Byrds, Beatles, Ravi Shankar, weißderherrwernochalles – eine göttliche Zitatenhuberei. Völlig dekadent, dieser halb mystische, halb erdige Real-Nonsense. Mehr kann man in den 90ern nicht erwarten.
Zehntes Gebot…: Gib Dich der Leere hin!

Fred Scholls Inselplatten

Reisegepäck für die Situation der Einsamkeit trägt sich im allgemeinen schwer – jedenfalls rein bildlich aufgefasst. Jedoch nicht, wenn die Reise sorgfältig geplant und gut bestückt wird. Die Frage nach den 10 Platten, die man mit auf eine Insel nehmen sollte, will demnach der Situation entsprechend ausgesucht sein. Die einsame Polarinsel verlangt andere Musik als die Südseeinsel. Da unser Redaktionschef (Ups, Walter) keine Vorlage für das Reiseziel gab, werde ich mir ganz großzügig eine Südseeinsel aussuchen. Die Auswahl meines Plattenschranks ist auch weitestgehend sonniger Natur, sprich, die meisten meiner Platten sind hochmelodisch und leicht verdaulich. Dennoch sollte für so manche Situation eine harrschere Gangart eingelegt werden, wie zum Beispiel, wenn unerwartet Kannibalen zu Besuch kommen. Dafür gibt es dann gleich Empfehlung Nummer eins:

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Kai Florian Beckers Inselplatten

  1. NEUROSIS – „Through Silver And Blood“ (1996)
    Wenn es um atmosphärische und die Seele reinwaschende Musik geht, dann kommen mir als erste die Kalifornier NEUROSIS in den Sinn. Mit ihrem ’97er Geniestreich „Through Silver And Blood“ haben sie eines der besten Werke überhaupt abgeliefert. An sie kommt einfach keine andere Band heran, so sehr sie sich auch anstrengen mag.

Ersatzscheibe: DEFTONES – „Around The Fur“ (1998)

  1. KYUSS – „Sky Valley“ (1994)
    „Wüstensöhne machen Fickmusik“, schrieb seinerzeit das Magazin „Visions“ über KYUSS, und mit diesem Satz hatten die Schreiberkollegen aus dem Ruhrpott verdammt recht. Mit dem dritten Album „Sky Valley“ hatten sich KYUSS selbst übertroffen. Der Nachfolger „…And The Circus Leaves Town“ war zwar nicht schlechter, doch ich ziehe „Sky Valley“ vor.

Ersatzscheibe: DOWN – „Nola“ (1995)

  1. CORROSION OF CONFORMITY – „Deliverance“ (1994)
    Von einer kultigen Hardcore/Punkband zu einer hochkarätigen Rockband mutiert, die im allgemeinen der Metalszene zugeordnet wird, hatten C.O.C. mein Herz spätestens mit ihrem Comebackalbum „Blind“ erobert. Ein paar Jahre später folgten mit „Deliverance“ und „Wiseblood“ zwei Alben, die die Erwartungen nach „Blind“ locker übertrafen.

Ersatzscheibe: GRAVEYARD RODEO – „On The Verge“ (1994)

  1. ENTOMBED – „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“ (1997)
    Schweden rockt! Erst stark im Death Metal verwurzelt und dann mehr und mehr Rock’n’Roll in ihre Musik integriert. Das in etwa ist die steile Karriere von ENTOMBED. Ihr absoluter Höhepunkt stellt „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“ dar, ein Meisterwerk mit höllischen Grooves und atemberaubenden Riffs.

Ersatzscheibe: STEAKKNIFE – „Songs Men Have Died For“ (1997)

  1. FISCHMOB – „Power“ (1998)
    Nicht nur Amis machen guten HipHop, nein, auch die Germanen neigen zu gutem Rap und phatten Beats. Okay, „Power“ ist kein reines HipHop-Werk, doch überaus spontan und erheiternd – genau das, was man braucht, wenn man sechs Monate auf der Nebel- und Regeninsel sitzt und seine Freundin vermißt.

Ersatzscheibe: ABSOLUTE BEGINNER – „Bambule“ (1998)

  1. THE GOD MACHINE – „Scenes From The Second Storey“ (1992)
    Während ich Depression gerne mit NEUROSIS verarbeite, steht bei Trauer das Londoner Trio THE GOD MACHINE ganz oben auf meiner Liste. Melancholie und Theatralik wird bei denen nämlich ganz groß geschrieben. Leider existiert die Band nach einer großartigen zweiten Platte („Last Laugh In A Place Of Dying“) und dem tragischen Tod des Bassisten nicht mehr. Mit SOPHIA gibt es aber Gott sei Dank ein angemessenes Nachfolgeprojekt.

Ersatzscheibe: SOPHIA – „The Infinite Circle“ (1998)

  1. SOUNDTRACK – „Natural Born Killers“ (1994)
    Soundtracks sind stets ein zweischneidiges Schwert. Aber Trent Reznor hat sich mit „Natural Born Killers“ ein Denkmal gesetzt. Da kommt nicht einmal „Pulp Fiction“ mit. Hier sind Songs verschiedenster Couleur zu einen eindrucksvollen Gesamtwerk in detailgetreuer Kleinstarbeit zusammengefügt worden. Das Endergebnis ist tiefgreifend und spannend.

Ersatzscheibe: BUENA VISTA SOCIAL CLUB – „s/t“ (1997) oder DEAD PRESIDENTS VOL. I & II

  1. BEASTIE BOYS – „The Way Sound From In Out“ (1996)
    Neben FISCHMOB sicherlich auch eher der HipHop-Fraktion zuzuordnen, obwohl die Jungs ebenfalls schon so ziemlich alles probiert haben. „The In Sound From Way Out“ ist ihr Instrumentalwerk, das sie von einer jazzigen und funkigen Seite zeigt. Immer wieder gerne gehört. Passend zu allen Lebenslagen.

Ersatzscheibe: HOUSE OF PAIN – „Truth Crushed To Earth Shall Rise Again“ (1996)

  1. MOGWAI – „Come On Die Young“ (1999)
    Die MOGWAI-Scheibe „Come On Die Young“ nehme ich nicht nur mit, weil ich dann in der gleichen Stadt wohne wie die Postrocker. Nein, diese Platte ist einfach nur genial, packt einen und nimmt einen mit auf einen ganz eigenen Trip, der bestimmt erst richtig abgefahren wird, wenn das Wetter scheiße ist.

Ersatzscheibe: TORTOISE – „TNT“ (1998)

  1. RED HOT CHILI PEPPERS – „Blood Sugar Sex Magik“ (1991)
    Es ist einfach ihr Meilenstein. Mit diesem Album haben sich RED HOT CHILI PEPPERS ein Denkmal gesetzt. Angefangen als witzige Crossover-Pioniere, hatten sie spätestens 1991 den Ernst des Lebens entdeckt und ein mitreißendes und gefühlvolles Monument erschaffen. Passend dazu müßt ihr das grandiose Video „Funky Monks“ sehen.

Ersatzscheibe: ROLLINS BAND – „The End Of Silence“ (1992)

Katja Preißners Inselplatten

  1. Metallica „Metallica“
    Stellvertretend für das Gesamtoeuvre der besten aller Bands: der Dinosaurier unter den Metallica-Alben. Der Himmel weiß, dass sie es waren, die dem dahinröchelnden Metal nie gekannte Tiefe, Ausdruck und Schönheit gaben. Gott segne sie.
  2. Gram Parsons „GP/Grievous Angel“
    Wo wir gerade von ihm sprechen: Gram Parsons ist Gott persönlich.
  3. Yazoo „Upstairs at Erics“
    Das schönste und genialste Album aller Zeiten.
  4. Diverse Interpreten „Saturday Night Fever – The Original Movie Sound Track“
    Die Trammps bringen´s auf den Punkt: Disco Inferno. Die Hölle auf Erden, der Himmel kann warten…
  5. Pixies „Bossanova“
    Das erfrischendste Album ever.
  6. Guns´n´Roses „Use your illusion“
    Der stimmgewaltigste Sänger aller Zeiten und eine verdammt heiße Band auf dem kurzen Zenith ihres Schaffens. Erschreckend gut.
  7. Portishead „Portishead“
    TripHop mit Westernklampfe und Verzerrern: auch nicht schräger als die Kopflandschaft der Abschlußkandidatin Katja P., damals… Dass es noch was wurde mit dem Abschluß, lag vor allem an der Wunderdroge aus Bristol.
  8. Fink „Mondscheiner“
    In Hamburg gedeiht eine wundersame Poesie des Alltags. Stilistisch zwischen Rustika und Chanson. Bunt, expressiv und exzessiv. Eine Offenbarung.
  9. Ideal „Der Ernst des Lebens“
    „Eine Krone der Schöpfung“ nannte ein SDR3-Moderator einst Annette Humpe. Das war 1983, ich war 11 – und Ideal als Band gerade gestorben. Dem Zitat ist nichts hinzuzufügen. „Der Ernst des Lebens“? Verstörend, beunruhigend, gut.
  10. Bob Dylan „Blonde on Blonde“
    Der Gesang ist nicht eben schön zu hören, aber das Ausdrucksmittel eines Visionärs. Und im Hintergrund spielt sich die zweitbeste (ähem) aller Bands die Seele aus dem Leib. Großartige Geschichten, aufregend erzählt. Eine musikalische Sternstunde des letzten Jahrhunderts.

Tim Preißners Inselplatten

Da das Medium Schallplatte bis auf den DJ-Sektor ja ausgedient hat, beschränke ich meine Auswahl auf CDs, obwohl von meiner favorisierten Musikrichtung eher Vinyl zu haben ist. Alternativ habe ich auch Kassetten von Veranstaltungen im Gepäck.

  1. Goldie: „The InCredible Sound Of Drum’N’Bass“
    Auf dieser Doppel-CD findet man ein Mix von Goldie himself, der einen auf die Reise durch die 90er Jahre mitnimmt, hier aus der Sicht von Jungle/Drum’N’Bass. Von der zukunftsweisenden Musik wird hier die Entwicklung nachgezeichnet, wobei auf CD1 (meiner bevorzugten) die härteren, auf CD2 die (auf neudeutsch) chilligeren Tracks zu finden sind. Als Alternative empfehle ich Goldies Album „Timeless“.
  2. John B.: „Visions“
    Auch hierbei handelt es sich um Drum’N’Bass auf einer Doppel-CD, die sich in „Organic“ und „Synthetic“ unterteilt. Die organischen Klänge sind jazz-angehauchtes Ambient-Jungle, die Synthetik ein Mix der Hardstep-Tracks (man verzeihe mir, wenn ich mit Bezeichnungen um mich schmeisse, deren Definitionen mir auch immer etwas unklar sind).
  3. Metallica: „…And Justice For All“
    Mein Lieblingsalbum der Fab Four (Hallo Katja!)- steht dem übrigen Werk in nichts nach (hier streiten sich die Experten, ob der Nachfolge Burtons+ durch Newsted). Für mich stellvertretend für Heavy Metal in meinem Leben, da dies auch mit Metallica anfing (mein erstes Konzert – danke Katja).
  4. Sex Pistols: „Never Mind The Bollocks Here’s The Sex Pistols“
    Die Grenzen von Punk, Hardcore und Metal sind mittlerweile fliessend (oder waren sie das schon immer?), jedenfalls 1977 war die Welt noch in Ordnung (letztlich nur bis 1979, aber das ist eine andere Geschichte) und Punk war noch das expressive Moment, Gewalt in Musik umzusetzen, ohne danach zu gucken, wo jemand herkam.
  5. Nirvana: „Nevermind“
    Schon mal vorgekommen in dieser Rubrik. Also: 90er – Grunge – Kult! Als Alternativen für dies könnte ich hier auch Bleech, Incesticide, In Utero oder diverse Outcesticides anführen. Musik für die Generation X.
  6. Absolute Beginner: „Bambule“
    Der Durchbruch für die Beginner, aber auch (für mich) der Durchbruch im deutschen HipHop. Fette Beats im Ami-Style gepaart mit lässigen Rhymes à la Mongo-Klikke, zaubert das Hamburger Kollektiv neue Dimensionen für die Plastik-HipHop-Welle, die die deutschen Landen erfasst hat. Hymne natürlich „Füchse“ featuring Sam Semilia a.k.a. Samy Deluxe…
  7. Fugees: „The Score“
    Mit HipHop verbinde ich nur bedingt deutschen Rap („dick schwul“ – Kool Savas), da diese Musik ja ursprünglich aus den schwarzen Ghettos Amerikas stammt, dann irgendwann populär wurde und heute ist eh alles nur noch „business“ (aber ich schweife ab). Jedenfalls könnte ich einen Haufen Künstler wie KRS-One, 2Pac, Gangstarr über MosDef, Nas bis hin zu Eminem oder Dr. Dre aufzählen, stellvetretend habe ich „The Score“ ausgewählt, mit meinem persönlichen Lieblingslied „Ready Or Not“, doch auch sonst smoothe Beats, wie man es erwartet von Clef, Pras und Lauryn Hill.
  8. Various Artists: „Spawn – Soundtrack“
    Wer den Comic kennt, wird den Film nicht mögen, aber hier geht es ja um Musik. Und dabei wird beim Soundtrack neue Wege beschritten. So wie mit Kirk Hammett zusammen mit Orbital oder ein Remix von „For Whom The Bell Tolls“ (fand ich aber nicht so gut). Meine Faves sind Marilyn Manson, Henry Rollins mit Goldie und Soul Coughing mit Roni Size. Metal goes Drum’N’Bass.
  9. Bob Marley And The Wailers: „Greatest Hits“
    Wenn ich mir vorstelle, am Strand zu liegen und einfach nur zu relaxen, dann ist Reggae genau die richtige Musik, und Bob Marley ist ihr König.
  10. Daft Punk: „Homework“
    Für Reisen ist dies genau die richtige Musik. Elektronisch, aber nicht unbedingt hartes Techno oder House. Man stelle sich folgendes Szenario vor: auf einem Langzeitflug in die USA, man hängt im Sitz und über Kopfhörer hört man – na klar – „Around The World“.

Roland Schmitts Inselplatten

Faszinierend und beängstigend zugleich, die Vorstellung, lebenslang oder zumindest für eine lange Zeit auf einer einsamen Insel leben zu müssen. Ausgehend davon, daß dort – auf welch wundersame Weise auch immer – dauerhaft elektrischer Strom vorhanden ist (sonst müßte man wohl auf ein Grammophon zurückgreifen; wäre für mich auch nicht so tragisch, da ich einige feine Schellackplatten besitze), käme ich inzwischen ohne Vinyl, nur mit CDs aus.

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Hannah Marcus – Faith Burns

„Na klar bespreche ich die“, hab ich bei der letzten Redaktionssitzung laut getönt und den Rest der coolen Gang nicht mehr an die Scheibe rangelassen. War ja auch irgendwie berechtigt, hab ich doch Hannah Marcus schon mal live gehört und Normal-Records und Neo-Folk gehören eh zu meinen Favorites. Um es gleich zu sagen: So richtig warm werde ich nicht mit der Platte und im Winter ist dies ja besonders wichtig. Aber eins nach dem anderen.

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Pia Ambroschs Inselplatten

Metallica: „Metallica“
Mit dem schwarzen Album wird dem Genre des gut gemachten Gitarrenrock endlich wieder mal alle Ehre angetan. In der Bandbreite von hart bis lieblich zeigen Lead- und Rhythmusgitarre zu straightem Bass und stellenweise vertrackten Schlagzeugrhythmen einmal was Heavy Metal sein kann. Hetfields einwandfrei intonierendes Organ versorgt das Ganze mit den nötigen Inhalten. Am besten laut zu Hören, dann wummert der Bass so richtig! Ein grandioser Wurf, jeder einzelne Titel eine sorgfältig ausgeklüngelte Einheit der 4 Men in Black, es stimmt eben alles. Und ganz nebenbei bestätigt sich wieder, daß die schönsten Balladen von Metallern stammen.

Sisters Of Mercy: „First and last and always“
Alles was gut war. Andrew Eldritch in Bestform. Diese Platte ist hervorragend geeignet, alten Zeiten nachzuhängen. Mehr sag ich nicht…

Nick Cave: „From her to eternity“
Das erste Album. Es wird für mich immer das erste bleiben. Man munkelt, daß nach „Murder Ballads“ und „The Boatman’s Call“ mal wieder was Wilderes kommt …glaube ich aber nicht… schließlich wurde Cave grad vierzig. Nichtsdestotrotz mag ich aber auch alle anderen Alben, aber dieses muß mit. Schon wegen des gehetzten und geschundenen Klaviers im Titelsong.

Johann Sebastian Bach: „Das Wohltemperierte Klavier“ (Klavier: Friedrich Gulda)
Die beim ersten Hören vielleicht verwurstelten, nach mehrfachem aufmerksamen Hören aber klar hervortretenden Linien sind ideal zum Abschalten. Besonders die Strukturen der vierstimmigen Fugen haben es zum Teil schwer in sich. Bei weniger polyphonen Stellen – man nennt sie glaube ich homophon – läßt Gulda die Töne dermaßen gleichmäßig und glasklar aufeinander folgen, daß man danach greifen zu können glaubt.

Nirvana: „Unplugged In New York“
Dieses Konzert vom November 1993 polarisierte die Anhänger der Band. Die einen blieben absolute Fans, die anderen fanden das Album einfach Scheiße und kehrten Nirvana den Rücken. Während die Vorzeige-Grunger auf ihren drei vorherigen Platten alles aus ihrem Equipment rausholten, lassen sie auf diesem Album leise Töne anklingen: akustische Gitarren, gedämpftes Schlagzeug, Cello. Derart spärlich umrahmt gelingt es Cobain, hinlänglich bekannte Nirvana-Stücke wie „Come as you are“, „Something in the way“, „Apologies“ oder „Pennyroyal tea“ auf eigene, einmal andere Weise zu präsentieren. Kurt Cobain setzte sich, ohne es zu wissen, ein Denkmal. Seine ganze Attitüde während des Konzertes läßt im Nachhinein Raum für Spekulationen … Besonders „Pennyroyal Tea“, das Kurt zum Teil liebenswert falsch spielt, vermag mich immer wieder zu fesseln.

Einstürzende Neubauten: „5 auf der nach oben offenen Richterskala“
Das Album zwischen „Halber Mensch“ und „Haus der Lüge“ stellt einen Kompromiß zwischen musikalischer Zerstörungsphilosophe und Rückkehr zu herkömmlicheren Liedstrukturen dar, ohne allerdings an Intensität einzubüßen. Von „Zerstörte Zelle“ über „Modimidofrsaso“ bis „Keine Schönheit ohne Gefahr“ geben die Jungs um Blixa Bargeld ihr Konzept von musikalischen und textlichen Strukturen zum Besten.

Catherine Bott: Mad Songs
Die Sopranistin Catherine Bott präsentiert Proben der Wahnsinnslyrik des 17. Jahrhunderts in Vertonungen von Henry Purcell, John Eccles u. a. Dieses In-Musik-Setzen extremer Empfindungen von Geisteskranken und Verwirrten, die eigens zu diesem Zwecke in Tollhäusern beobachtet wurden, mag heute gefühllos erscheinen, gibt aber ein teilweise kuroses Bild davon, womit sich die Leute früher beschäftigt haben. Vielleicht auch ein Tip an Nick Cave für seine Sammlung für die Insel.

Yes: „Yessongs“
Auf das Dreifachalbum gingen schließlich die meisten Roger Dean-Coverzeichnungen drauf, die man beim Hören der Musik betrachten kann. Nee, also jetzt ehrlich: Es sind einfach viele der besten Songs drauf, die ich so sehr mag. Außerdem bekommt jeder der 5 Musiker ausreichend Raum, seine individuelle Virtuosität unter Beweis zu stellen, was das Album sehr abwechslungsreich macht. Der Vorteil von Vinyl: Du kannst das Cover aufklappen und hast voll was in der Hand, der Nachteil: du mußt laufend die Scheibe umdrehen.

Talking Heads: „Stop Making Sense“
Meine absolute Sommerplatte. Gruß an F. und das Selfmade-Cabriolet.

Hayden: „Everything I long for“
yeah ……………… (schauder)…. diese Stimme, diese Gitarre (muß ich noch mehr sagen?). Bisher wußte ich nicht, daß man Gitarren derart runterstimmen und schrömmeln kann, aber bei dieser Stimme blieb Hayden wohl auch nichts anderes mehr übrig. Vielleicht hat er aber auch solche Wurstfinger, daß er nur einen halben Meter vom Schalloch entfernte Saiten befummeln kann…

Mike Leheckas Inselplatten

For most people, this is an abstract question. But I actually had to decide which albums to take with me when I came to Germany. So to answer this question, I just have to look at my shelf and pick from among the 18 or so albums I have. Okay, Saarbrucken isn’t a desert island, but with the salary I get from Hinter-Net Gmbh, it might as well be. I actually came here with about eighty albums, but I’ve sold or traded most of those (thanks to Udo at Gimmix). Here’s what I’ve got left to choose from:

  1. The Beach Boys, Pet Sounds.
    I hope I get to take the new 4CD version with it would suck up a lot of the down time in paradise. Actually I don’t even have the box set yet, but the regular album would’ve been first on my list anyway. It’s as close as I could get to stuffing a friend in my suitcase. I know the last thing you need is yet more analysis of this album, but I’ve stupidly volunteered to write a full discourse on the box set for Hinter-Net in the next couple of weeks. Freut Euch!
  2. Humble Pie, Street Rats.
    I was trying to be a nice guy when I bought this. I read in Roland Schmitt’s Happy Boys Happy! book that European copies of this album have a song not on the American version. So I found one (thanks to Udo at Gimmix) to send to a friend in Minneapolis who loves Humble Pie, but do you know how much it costs to send an album to America? Something like 36 DM. At that rate I’ll take it with to the island instead.
  3. Sonny Vincent, Official Bootleg
    An epic overview of his legendary career. I got a copy as part of (all of, actually) my compensation for doing a tour with „the man who invented punk rock“ in 1992. Two cuts feature guitar from the late Bob Stinson.
  4. Suicide Commandos, Suicide Dance Concert.
    Speaking of inventing punk rock, these guys were the first punk band in Minneapolis, and their guitarist Chris was my boss once and he signed a copy for me, which I brought with me here.
  5. Ian Hunter, Overnight Angels.
    One of my favorite guys but not one of his best records. But it never came out in America, so it was his only record I didn’t have when I came here (the others are still at my brother’s house), and I bought it the first chance I had- 5 DM.
  6. Ronnie Lane, Anymore for Anymore.
    Like Pet sounds, this one would be on my list even if I had more to choose from. Made by a guy who was happy on a farm, so I guess it would make me happy on an island.
  7. Spirit, Farther Along.
    Thanks to Udo at Gimmix, where I got this one– 8 DM. Some of the album is about dying, which Randy California did in January– just off the coast of a Hawaiian island. Maybe not be the best good luck charm.
  8. Cheap Trick, Sex America Cheap Trick.
    I know it seems unfair to take along a second 4CD box set, but like I told Udo at Gimmix, if I can’t have sex or be in America, I should at least get to have my Cheap Trick.
  9. Hüsker Dü, Everything Falls Apart and More.
    The CD version with the bonus cuts and great liner notes from my old boss. Not the Commandos‘ guitarist, a different boss I had at the same time. It’s a long story actually.
  10. Chiefs Of Nothing.
    I got this from Udo at Gimmix. Actually it’s his band.

Andreas Scheytts Inselplatten

  1. Nirvana: „Unplugged“
    In memoriam Kurt Cobain.
    In Deiner kurzen Schaffensperiode hast Du der geliebten Rockmusik neues Leben eingehaucht. Auch wenn fast alles umsonst war, dafür werde ich Dich nie vergessen, denn du hast die Welt nicht verkauft.
  2. Pearl Jam: „Ten“
    Eddie, dein moralischer Rigorismus nimmt inzwischen zwar manchmal krankhafte Züge an, aber wer maßgeblich an einem Album wie „Ten“ mitwirkt, darf sich noch viel mehr erlauben. Du brauchst auch nie ein Video zu drehen, solange Du mich mit „Alive“ aufweckst und mit „Black“ wieder schlafen schickst.
  3. Smiths „Hatful of hollow“
    Lieber Morrissey, geh` doch mit Deinem alten Kumpel Johnny Marr wieder mal einen trinken und vertragt Euch wieder. Die Queen mag zwar tot sein, aber Ihr beiden könntet doch noch ein Mal versuchen auch die kleine Welt außerhalb Brittaniens zu verzaubern. Bitte, bitte. Ich schicke auch Blumen.
  4. Metallica „dsgl.“
    Nie war der „Play it loud“-Aufkleber berechtigter, niemals der Subwoofer wertvoller. Die Insel soll beben. Und dann ist ja auch noch „Nothing else matters“ drauf, for P. I love.
  5. Joy Division „Closer“
    Falls Dir auf Deiner einsamen, verregneten, stürmischen Nordseeinsel Suizidgedanken kommen, lege diese Platte auf. „Love will tear us apart“ mußt Du Dir auch noch besorgen, dann kann die Party richtig losgehen. Aber denke bitte an die Hinterbliebenen.
  6. Yazoo „Upstairs at Erics"
    Mickymaus-Elektronik meets Wahnsinnsstimme. Besagter Klangtüftler schrieb in den vielgescholtenen Achtzigern Songs wie „Dont go“ und „Only You“ für diese Platte und Alison Moyet und lassen mich vergessen, daß die Neunziger jemals angefangen haben.
  7. Billie Holiday „Ballads“
    ProMarkt sei Dank für 2,99 in einer Wühlkiste ein Juwel entdeckt. Setze Dich mit einer Flasche Hochprozentigem und Deinem ganzen Frust auf Deinen Balkon mit Nachbarhausblick und Du kannst vielleicht den vielbeschriebenen Blues endlich mal erahnen.
  8. Tanita Tikaram „Ancient heart“
    Very personal memories, aber „Twist in my sobriety“ ist ja wirklich so scheen.
  9. Alanis Morissette „Jagged little pill“
    Eine junge Kanadierin mit einer großen Nase hat bewiesen, daß nicht nur Opas gute Songs schreiben können. Ein Pharisäer, der die Fliege im Wein sucht.
  10. Bob Seger „Greatest Hits“
    Wenn es auf meiner immerwarmen Insel eine Straße und ein Cabrio für mich gibt, nehme ich diese Platte mit. Oder könnt Ihr Euch was schöneres vorstellen, als ziellos durch die Nacht zu fahren und „Night moves“ zu hören. Ja! Was?

Dieter Paul Rudolphs Inselplatten

Joni Mitchell: Hejira (1976)

Konzeptalben gehörten zu den schlimmsten Heimsuchungen der 70er, wenn ein schlichtes Gemüt tiefgründig über ein schlichtes Thema brütete und dem so erhitzten Ei dann doch nur der übliche Rührkuchen entfleuchte. Joni Mitchells „Hejira“ ist ein Konzeptalbum – aber eines, das sich seinem Gegenstand auf vielfältige Weise nähert, sowohl textlich als auch musikalisch. Es geht, verkürzt gesagt, um Heimatlosigkeit, ums Herumirren, um schwache Männer und schwache Frauen.

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