Die andere Meinung

Das Kontroverse von Literaturkritik, wie es →hier vor einigen Tagen beschworen wurde, verstummt vor dem Meisterwerk. Man ist sich einig. Meisterwerke gibt es wenige, Robert Littells „Die kalte Legende“ ist eins, sogar bei den Rezensenten. Aber nein, nicht bei allen. Heute schreibt Katharina Granzin im →taz magazin folgenden denkwürdigen Satz:

„Martin Odum, Privatdetektiv mit CIA-Vergangenheit, quält sich mit der Ungewissheit darüber, welche seiner „Legenden“, wie die CIA die erfundenen Identitäten ihrer Agenten nennt, sein wahres Ich sei.“

Weiterlesen

Möwe, Schwalbe, tote Kuh?

2007_cover.gif

Ist das etwa ein neues Krimibilderrätsel? Ja. Nein. Eigentlich ist es nur das Cover des Krimijahrbuchs 2007, entworfen von der aufstrebenden jungen Künstlerin Birgit Jansen. Man sieht was drin ist: Krimi eben (die Kuh wurde übrigens von Mitherausgeber Noller persönlich ins Reich der Wurstfabriken befördert), dann diese lächelnde Frau rechts und unten das Auge der Dreifaltigkeit, für das unser Senior-Herausgeber Modell gestanden hat. Und der hat jetzt noch eine prima Sparnachricht…

Weiterlesen

Stuart MacBride: Die dunklen Wasser von Aberdeen

spannungideal.gif

(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)

Weiterlesen

The Resentments: On My Way To See You

Nix wirklich Neues von den Resentments, aber das auf hohem Niveau, und es geht auch voll in Ordnung. Nach dem Motto „Jeder darf mal ran“ wechseln sich die fünf Musiker, Stephen Bruton (g, mand, banjo), Jon Dee Graham (g, dobro, lap steel), Jud Newcomb (g, mand, b, dobro), Bruce Hughes (b, g, pi) und sogar Drummer John Chipman bei den Lead-Vocals ab. Und das sorgt mit für die nötige Abwechslung, denn alle Stimmen sind jede für sich sehr eigen.

Weiterlesen

Stefano Massaron: Die toten Kinder

(2006 war ein gutes Jahr für unseren Juniorkritiker Jochen König: Ausbildungsplatz bei Hinternet ergattert (über Beziehungen), Mofa-Führerscheinprüfung bestanden (beim dritten Anlauf), rausgekriegt, dass Mädchen doch nicht so doof sind wie sie aussehen (Gerda!). Und jetzt die Krönung: Azubi Jochen darf auf dem heiligen Donnerstagsplatz des rezensierenden Platzhirschen seine Kritik an Stefano Massaron anbringen! Tatsächlich: ein gutes Jahr!)
Don’t trust him when he turns his back:
He looks at you.
Don’t trust him When his eyes are closed:
He still looks at you.
Devil Doll “The Girl Who Was…Death”

Weiterlesen

Zwei Meinungen, ein Beispiel

Welchen Gewinn hätte die Krimikritik, hätten die Leser von einem bloßen Nebeneinander des Pro und Contra zu Titeln auf der Krimiwelt-Bestenliste? Würde das genügen oder wäre es lediglich der Auftakt zu einem Hauen und Stechen, bei dem Irrtümer nachzuweisen und einzugestehen wären? Exerzieren wir das doch einmal stichwortartig an einem aktuellen Beispiel durch.

Weiterlesen

Tim O’Brien: Geheimnisse und Lügen

buchkiste_obrien.jpg

John Wade ist am Ende seines amerikanischen Traums angelangt. Seine politische Karriere wurde jäh gestoppt, als herauskam, dass er an der Auslöschung des Dorfes Thuan Yen beteiligt war, besser bekannt als das My Lai Massaker, bei dem Hunderte vietnamesischer Zivilisten von amerikanischen GIs misshandelt, gefoltert und gnadenlos getötet wurden. John Wade „der Zauberer“ sieht alles mit an, lässt sich beinahe zufällig hineinziehen ins Morden. Später fälscht er zwar die Stammrollen der entsprechenden Einheit, wird aber trotzdem von seiner Vergangenheit eingeholt, in der vielleicht wichtigsten Phase seines Lebens, zur Zeit der Wahlen um einen Senatorenposten.

Weiterlesen

Okay, streiten wir uns

KrimiWelt-Bestenliste – pro und contra. So lautete der Arbeitstitel eines für das neue Krimijahrbuch geplanten Beitrags, in dem sich Tobias Gohlis, Initiator der Liste, und N.N. über Sinn und Unsinn des Projektes austauschen sollten. Den Beitrag aber wird es nicht geben; zwei potentielle Contra-Autoren haben, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, abgesagt. Und selbst die Rolle des teuflischen Advokaten zu übernehmen, dazu bin ich nicht der richtige Mann. Ich mag die Liste nämlich. Aber.

Weiterlesen

Jess Walter: Citizen Vince

Zwei Bürgerrechte sind es, so Vince Camden in Jess Walters Buch „Citizen Vince“, auf die verurteilte Straftäter in den USA verzichten müssen. Das Recht eine Waffe erwerben und tragen zu dürfen und das Recht zu wählen. Als er eine Woche vor der US-Präsidentenwahl 1980 die erste Wahlkarte seinen Lebens erhält, geht durch den 36 jährigen ein Ruck … vielleicht, so ahnt er in diesem Moment, hat er doch eine Chance, in der bürgerlichen Gesellschaft anzukommen.

Weiterlesen

Ein Toter mit vielen Gesichtern

wickius.GIF

(Kommissar Wickius kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)

Weiterlesen

Stieg Trenter: Eine Puppe für Samarkand

spannungideal.gif

(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)

Weiterlesen

Umfang mal Piekwadrat

Die Biermann, einfach nicht zu berechnen. Jüngst erst mit dem „Schwerpunkt“ des Krimijahrbuchs 2007 geehrt (eine Auszeichnung, gegen den der Glauser aussieht wie ein angeknabbertes Lebkuchenmännlein), prescht sie dennoch weiter ruhelos nach vorn, alle vier Wochen sonnabends begutachtet sie MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT im RBBinfoRADIO 93,1, am 9. Dezember 2006 um 11:45 Uhr ist es wieder soweit – wann schläft diese Frau eigentlich? Etwa bei den Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 00:45 und 05:45? Unwahrscheinlich. PieBie schläft nie. PieBie dehnt sich weiter aus wie ein nimmersattes Universum. Jetzt auch zu hören in der neuen Folge, die sich mit Seyran Ates, Migrantin, Juristin, Pionierin gegen Gewalt beschäftigt.

Weiterlesen